____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b
ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ
Ismail Gasprinskij
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
top
Ismail Bej Gasprinskij (russisch ĐŃĐŒĐ°ĐžÌĐ» ĐĐ”ĐșŃ ĐаŃĐżŃĐžÌĐœŃĐșĐžĐč, krimtatarisch İsmail Gaspıralı, ukrainisch ĐŃĐŒĐ°ŃÌĐ» ÒаŃĐżŃĐžÌĐœŃŃĐșĐžĐč; geb. 9. MĂ€rzjul. / 21. MĂ€rz 1851greg. in Avcıköy bei Bachtschyssaraj; gest. 11. Septemberjul. / 24. September 1914greg. in Bachtschyssaraj) war ein krimtatarischer PĂ€dagoge, Journalist und Politiker. Er war einer der wichtigsten Vermittler der westlichen Moderne fĂŒr die Muslime Russlands und erkannte als einer der ersten muslimischen Intellektuellen im Russischen Kaiserreich den Bedarf der tĂŒrkischstĂ€mmigen und muslimischen Völker Russlands nach Erziehung, kultureller Reform und Modernisierung. Durch die EinfĂŒhrung der neuen Unterrichtsmethode Usul-i Jadid zĂ€hlt er zu den BegrĂŒndern des Jadidismus. Von 1882 bis zu seinem Tod gab er die zweisprachige russisch-tĂŒrkische Zeitung Perewodtschik/TercĂŒman heraus. Von 1905 bis 1908 betĂ€tigte er sich als Organisator von muslimischen Kongressen. Der ab 1907 verfolgte Plan fĂŒr einen islamischen Weltkongress, der in der Ă€gyptischen Hauptstadt Kairo stattfinden sollte, scheiterte jedoch. Gasprinskij gilt auch als einer der MitbegrĂŒnder des Panturkismus. Nach Hakan Kırımlı war er âdie bedeutendste Persönlichkeit in der Geschichte der Krimtataren vor 1917, und vielleicht auch aller TĂŒrken des Russischen Reichesâ.cite-ref-1[1]
Contents
âą Leben
âą Publikationen
âą Literatur
âą Einzelnachweise
âą Weblinks
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Leben
Kindheit und Jugend
Ismail Bej Gasprinskij wurde am 21. MĂ€rz 1851 im Dorf Avcıköy in der NĂ€he von Bachtschyssaraj geboren. Seine Mutter, Fatma Hanım, kam aus einer adligen Familie der Krim. Sein Vater, Mustafa Aga, ebenfalls ein Adliger, wurde in dem Dorf Gaspra auf der Krim geboren.cite-ref-allworth130-2-0[2] Er hatte dem russischen General-Gouverneur des Kaukasus in der Zeit der AufstĂ€nde von Imam Schamil als Ăbersetzer gedient.cite-ref-kramer36-3-0[3] Gaspra diente Gasprinskij auch als Namensgeber. Seine Familie lebte wĂ€hrend des Krimkrieges von 1853â1856 in Aqyar (Sewastopol). Nach dem Krieg zog sie nach Bachtschyssaraj. Da war Gasprinski vier Jahre alt.cite-ref-allworth130-2-1[2]
Ismail Bej besuchte zunĂ€chst die Zindschirli-Medrese in Bachtschyssarajcite-ref-togan979b-4-0[4] und ging danach auf das Gymnasium in Aqmescit (Simferopol).cite-ref-5[5] Zwei Jahre spĂ€ter trat er in die MilitĂ€r-Akademie in Woronesch ein. Von dort wechselte er in das Höhere MilitĂ€r-Lyzeum in Moskau.cite-ref-6[6] Hier lernte er den Lipka-Tataren Mustafa Mirza DavidoviÄ kennen, mit dem er lebenslang freundschaftlich verbunden blieb.cite-ref-togan979b-4-1[4] Zusammen gewannen sie die Aufmerksamkeit ihres wichtigsten Lehrers, des panslawistischen Publizisten Michail Katkow, der die beiden jede Woche zu sich nach Hause einlud. Bei ihm verbrachte Ismail Bey auch einmal die Sommerferien. Genau zu dieser Zeit war Katkow eine zentrale Figur im Moskauer Slawischen WohltĂ€tigkeitskomitee, das 1867 einen panslawischen Kongress organisierte, und es gibt Hinweise darauf, dass Gasprinskij von den organisatorischen Anliegen der Moskauer Panslawisten beeindruckt war.cite-ref-7[7]
TĂ€tigkeit als Lehrer, Reisen nach Westeuropa und in die TĂŒrkei
Als 1867 auf Kreta ein Aufstand ausbrach, löste die Feindseligkeit, die Katkov gegenĂŒber der TĂŒrkei zeigte, bei Ismail Bej und seinem Freund eine heftige emotionale Gegenreaktion aus, und zusammen begaben sich die beiden nach Odessa, um auf Kreta als Freiwillige auf tĂŒrkischer Seite zu dienen. Da die beiden jedoch keine PĂ€sse hatten, wurden sie verhaftet und in ihre Heimat auf der Krim zurĂŒckgeschickt. Ismail Bej wurde an der Zindschirli-Medrese zum Lehrer fĂŒr Russisch ernannt, das ab dieser Schule obligatorisches Unterrichtsfach war. WĂ€hrend er dieser TĂ€tigkeit nachging, beschĂ€ftigte er sich intensiv mit russischer Literatur, unter anderem auch mit den Werken der Westler Dmitri Iwanowitsch Pissarew und Nikolai Gawrilowitsch Tschernyschewski.cite-ref-kirimli33-8-0[8] AuĂerdem verfolgte er den Plan, in die TĂŒrkei zu gehen und Offizier zu werden. Als er feststellte, dass dafĂŒr Französisch-Kenntnisse Voraussetzung waren, widmete er sich dem Studium dieser Sprache. 1871 beschloss er, nach Istanbul zu gehen; um sein Französisch zu perfektionieren, reiste er jedoch zunĂ€chst ĂŒber Wien nach Paris.cite-ref-togan979b-4-2[4]
In Frankreich hielt er Kontakt zur russischen Emigrantengemeinschaft und verdiente seinen Lebensunterhalt mit Ăbersetzungen und als Assistent von Iwan Sergejewitsch Turgenjew.cite-ref-kirimli33-8-1[8] AuĂerdem unternahm er Reisen durch England, Spanien und weitere europĂ€ische LĂ€nder. Seine Beobachtungen schilderte er spĂ€ter in den BroschĂŒren und literarischen Werken Avrupa medeniyetine bir nazar-i muvazene (âEine ausgewogene Bewertung der europĂ€ischen Zivilisationâ), Medeniyet-i islamiye (âIslamische Zivilisationâ) und Dar al-rahat MĂŒslĂŒmanları (âMuslime der friedlichen WohnstĂ€tteâ). 1874 fuhr er schlieĂlich in das Osmanische Reich, um dem osmanischen MilitĂ€r beizutreten.cite-ref-abdirashidov-9-0[9] Ismail Bey unternahm groĂe Anstrengungen, in die tĂŒrkische Kriegsakademie aufgenommen zu werden, doch als der russische Botschafter Ignatjew davon erfuhr, ĂŒbte er Druck auf den GroĂwesir Mahmud Nedim Pascha aus, um dies zu verhindern. Nachdem Ismail Bej ein Jahr vergeblich gewartet hatte, kehrte er 1875 auf die Krim zurĂŒck. WĂ€hrend seines Aufenthalts in Istanbul veröffentlichte er fĂŒr einige russische Zeitungen in St. Petersburg und Moskau unpolitische Artikel ĂŒber das Leben im Orient.cite-ref-togan979b-4-3[4]
TĂ€tigkeit als BĂŒrgermeister von Bachtschyssaraj und Publizist
Auf der Krim betĂ€tigte sich Gasprinski wieder als Russisch-Lehrer, zunĂ€chst in Jalta, dann ab 1876 erneut in Bachtschyssaraj an der Zindschirli-Medrese.cite-ref-allworth130-2-2[2] In dieser Phase befasste er sich gedanklich vor allem mit dem Dorfleben bei den Krim-Tataren. 1878 wurde er zum BĂŒrgermeister von Bachtschyssaraj gewĂ€hlt.cite-ref-togan979b-4-4[4] Nachdem er mit einigen seiner ReformvorschlĂ€ge in der Stadtverwaltung auf heftigen Widerstand gestoĂen war, musste er das Amt 1884 aufgeben.cite-ref-10[10]
1879 stellte Gasprinskij einen Antrag zur Herausgabe einer Zeitung, der aber von den russischen Behörden abgelehnt wurde. Daraufhin schrieb er in der russischsprachigen Zeitung Tavrida, die in Simferopol erschien, politische Artikel ĂŒber die Muslime des Russischen Reiches.cite-ref-togan979b-4-5[4] 1881 erhielt er die Erlaubnis zur Eröffnung einer Druckerei.cite-ref-lazzerini161166-11-0[11] Hier druckte er viele seiner Artikelsammlungen in krimtatarischer Sprache, die er in den folgenden Jahren schrieb. 1882 erweiterte Ismail Bey die Artikel, die er in der Zeitung Tavrida auf Russisch veröffentlicht hatte, ein wenig und veröffentlichte sie in Form eines 54-seitigen Werks mit dem Titel Russkoye Musulmanstwo (âRussischer Islamâ).cite-ref-12[12]
Erst 1882 erhielt er die Erlaubnis zur Herausgabe einer zweisprachigen Wochenzeitung â in Russisch und TĂŒrkisch. Ihr Titel wurde sowohl auf TĂŒrkisch als auch auf Russisch geschrieben: TercĂŒman/Perewodtschik war ihr Name, beides bedeutet âĂbersetzerâ.cite-ref-lazzerini161166-11-1[11] Die erste Ausgabe erschien am 22. April 1883, dem hundertsten Jahrestag der Annexation der Krim.cite-ref-kirimli34-13-0[13] Jedoch unterlag die Zeitung einer starken Zensur.cite-ref-lazzerini161166-11-2[11] In den Anfangsjahren musste sich Gasprinskij bei Produktion und Vertrieb der Zeitung sehr stark auf seine Familie stĂŒtzen.cite-ref-14[14]
1882 heiratete Ismail Bej Zahire Hanim, die zur adligen Kasan-tatarischen Fabrikantenfamilie Aqçurin gehörte. Durch diese Heirat wurden seine Verbindungen zu den Kasaner Tataren enger. Auch stand er in stĂ€ndigem Kontakt mit aserbaidschanisch-tĂŒrkischen Schriftstellern. Mustafa DavidoviÄ, der mit Ismail Bey am Moskauer MilitĂ€r-Lyzeum studiert hatte, lieĂ sich in Bachtschyssaraj nieder, wo er zwanzig Jahre lang BĂŒrgermeister war und Ismail Bey bei seinen Unternehmungen half.cite-ref-togan980a-15-0[15] AuĂerdem versammelte sich in der ersten HĂ€lfte der 1880er Jahre ein kleiner Kreis von UnterstĂŒtzern aus Bachtschyssaraj um Gasprinskij, darunter Hasan Nuri, Bekir Emekdar, Habibullah Efendi und Bayburtlu SĂŒleyman Efendi.cite-ref-16[16]
UsĂ»l-ĂŒ Cadid : Das Projekt der muslimischen Bildungsreform
Die Arbeit, mit der Ismail Bey in diesen Jahren am meisten beschĂ€ftigt war, war sein Projekt einer Bildungsreform fĂŒr die Muslime. 1881 schĂ€tzte Gasprinskij, dass es im gesamten Russischen Reich mehr 16.000 Mektep-Koranschulen und 214 Medresen gab, in denen ungefĂ€hr eine halbe Million muslimische Kinder lernten. Da diese Schulen zwar theoretisch unter der Aufsicht Geistlicher Verwaltungen standen, in Wirklichkeit aber nicht beaufsichtigt wurden und somit frei waren, dachte Gasprinskij ĂŒber die Möglichkeit nach, ein vollstĂ€ndig neues und unabhĂ€ngiges Bildungssystem aufzubauen, das das alte ersetzen sollte. Die neue Schulmethode, die er dort anwenden wollte, nannte er UsĂ»l-ĂŒ Cadid (âDie neue Methodeâ).cite-ref-17[17] Der Begriff bezog sich ursprĂŒnglich auf die neue Methode des Sprachunterrichts durch phonetische Transkription, vereinfachte Grammatik und vereinfachtes Vokabular.cite-ref-18[18]
Zentral fĂŒr das Konzept der neuen Schulen war eine Methode, mit der SchĂŒler innerhalb von 40 Tagen das Lesen und Schreiben der tĂŒrkischen Sprache lernen konnten. Hatten die Kinder zuvor in den Mekteps Silben und ganze Wörter auswendig lernen mĂŒssen, wurde nun den einzelnen Lauten ein Zeichen zugeordnet, und die Kinder ĂŒbten anhand muttersprachlicher Beispiele, das Gelernte zu lesen und zu schreiben.cite-ref-19[19] Neu war aber auch, dass im Lehrplan der Mekteps, die der neuen Methode folgten, weltlichen FĂ€chern Vorrang gegeben wurde. ZusĂ€tzlich zum traditionellen Lehrplan, also Koranrezitation, Kalligrafie und den Glaubenslehren und Gebeten des Islams, wurden auch Lesen und Schreiben auf TĂŒrkisch und Arithmetik gelehrt. Schulen, die sich an der neuen der neuen Methode ausrichteten, sollten auĂerdem mit StĂŒhlen und BĂ€nken sowie mit einem BĂŒcherschrank und Schultafel ausgestattet sein.cite-ref-kirimli47-20-0[20] 1884 verfasste Gasprinskij fĂŒr die Mekteb-Grundschulen der neuen Methode ein eigenes Schulbuch mit dem Titel HocÄ-yi áčŁibyÄn. Az vaqitta oqumaq yazmaq ve áž„isÄb bildirir (âDer Lehrer fĂŒr Kinder. Vermittelt in kurzer Zeit Kenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnenâ),cite-ref-lazzerini1975-255-21-0[21] in dem er den Methoden des russisch-ukrainischen PĂ€dagogen Konstantin Dmitrijewitsch Uschinski folgte.cite-ref-kirimli47-20-1[20] Gasprinskij behauptete, dass mit diesem Buch in nur sechs Monaten erlernt werden könne, was beim Unterricht mit der alten Methode in vier oder fĂŒnf Jahren vermittelt wurde.cite-ref-lazzerini1975-255-21-1[21] Im selben Jahr eröffnete Gasprinskij die erste Modellschule im Kaytaz-Aga-Viertel in Bachtschyssaraj. Den Lehrer der Anstalt Bekir Emekdar bildete er persönlich aus.cite-ref-kirimli47-20-2[20]
1887 sandte Gasprinskij Emekdar nach Kassimow, um dort die zweite Mektep-Grundschule zu eröffnen, die nach der neuen Methode unterrichten sollte. Und 1893 besuchte er das Emirat Buchara, um dort seine 40-Tage-Methode vorzufĂŒhren und eine nach dieser Methode unterrichtende Schule in Samarkand zu eröffnen.cite-ref-22[22] Im selben Jahr lieĂ er seine Schwester Pembe Hanım Bolatukova die erste neuartige Mektep-Schule fĂŒr MĂ€dchen in Bachtschyssaraj eröffnen.cite-ref-23[23] Danach trat die neue Schulform einen rasanten Siegeszug an: Durch die UnterstĂŒtzung verschiedener muslimischer Industrieller konnten bis zum Jahre 1895 ĂŒber 100 Mektep-Schulen im Russischen Reich eröffnet werden, die nach der neuen Methode unterrichten. Bis zum Tode Gasprinskij im Jahre 1914 stieg die Anzahl dieser Schulen sogar auf ungefĂ€hr 5.000.cite-ref-kirimli49-24-0[24]
Da Gasprinskij selbst kein Absolvent einer Medrese und kein ÊżÄlim war, konnte er persönlich keine höhere islamische Schule grĂŒnden. Es gelang ihm aber, Chabibullah-Chazrat, den Professor der Zindschirli-Medrese in Bachtschyssaraj zu ĂŒberzeugen, dschadidistische Methoden anzuwenden. Dazu gehörten eine striktere Organisation des Unterrichtsablaufs, PrĂŒfungen und der Unterricht in weltlichen FĂ€chern. Auf diese Weise wuchs der Zindschirli-Medrese bis Mitte der 1890er Jahre die Rolle zu, die Gasprinskijs Musterschule fĂŒr die Mekteps spielte.cite-ref-noack-148-25-0[25] 1894 eröffnete Gasprinskij auĂerdem in TercĂŒmen eine Diskussion ĂŒber die Reform der Medrese. Sowohl in Russland als auch in der TĂŒrkei stieĂen seine ReformvorschlĂ€ge auf ein positives Echo.cite-ref-26[26]
Gasprinskij war auch sehr beeindruckt von den verschiedenen russischen Spezialschulen fĂŒr handwerkliche und landwirtschaftliche Fachausbildungen, wie sie insbesondere auf Betreiben der Semstwo entstanden. Er regte daraufhin seinerseits die Aufnahme praxisorientierter FĂ€cher in die Medresen an und forderte die muslimische Jugend zum Besuch dieser Fachschulen auf.cite-ref-noack-148-25-1[25] 1895 brachte er auĂerdem die Idee einer muslimischen Berufsschule auf und stellte dafĂŒr auch finanzielle Mittel zur VerfĂŒgung. Wahrscheinlich aufgrund von bĂŒrokratischen und gesetzlichen HĂŒrden konnte dieses Projekt jedoch nicht verwirklicht werden.cite-ref-kirimli49-24-1[24] Gasprinskij setzte sich auch fĂŒr die soziale Absicherung von Lehrern ein. So brachte er Ende 1906 Zeit die Idee von Kooperativen (teavĂŒn cemiyetleri) fĂŒr die Mullahs und Lehrer auf.cite-ref-27[27]
Ausbau der Beziehungen zu den turksprachigen Muslimen Russlands, KongressaktivitÀten
Um seine Reformideen zu verbreiten, knĂŒpfte Gasprinskij Beziehungen zu vielen anderen tĂŒrkisch-muslimischen Intellektuellen im Russischen Reiche. In den Jahren 1885 und 1893 reiste er nach Baku. Bei seiner zweiten Reise nach Baku reiste er weiter nach Buchara.cite-ref-allworth130-2-3[2] Auf anderen Reisen besuchte er Taschkent und Sibirien.cite-ref-togan980a-15-1[15]
Nach der Revolution von 1905, bei dem zum ersten Mal Sozialisten und Kommunisten stĂ€rker hervortraten, rĂŒckte Ismail Gasprinskij erkennbar nach rechts und begann, ĂŒber die HerbeifĂŒhrung einer kulturellen Einheit der islamischen Nationen nachzudenken.cite-ref-togan980b-28-0[28] Noch im selben Jahr fungierte er als einer der Organisatoren des Kongresses der Muslime Russlands in Nischni Nowgorod. Die Delegierten mussten bei dieser Veranstaltung auf ein Dampfschiff ausweichen, weil die Versammlung verboten wurde. Gasprinskij wurde zum Vorsitzenden des Ersten Muslimkongresses ernannt.cite-ref-29[29] Die Teilnehmer der Veranstaltung erstellten einen Forderungskatalog, der darauf abzielte, die AnnĂ€herung zwischen Muslimen und Russen zu fördern, um die politischen und kulturellen Probleme lösen zu können. Darin forderten sie eine politische Beteiligung der Muslime an der Gesetzgebung, die rechtliche Gleichberechtigung der Muslime und Russen und die Gleichheit der Muslime in politischen und religiösen Fragen, genauso wie in Fragen des Eigentums. DarĂŒber hinaus forderten sie auch bessere Bildung fĂŒr die muslimischen Kinder. Zur Verwirklichung dieser Forderungen planten die Delegierten, sich erneut in Versammlungen zu treffen.cite-ref-30[30] Nach der VerkĂŒndung des Oktobermanifests entwarf Gasprinskij sogar eine eigene Flagge fĂŒr die tĂŒrkisch-muslimische Bewegung in Form einer russischen Zarenflagge, in deren Mitte ein weiĂer Halbmond auf kreisrundem grĂŒnem Grund aufgedruckt war.cite-ref-kirimli118-31-0[31]
Zur Umsetzung der BeschlĂŒsse des Ersten Kongresses der gesamtrusslĂ€ndischen Muslime auf der Krim lieĂ Gasprinskij eine örtliche Zweigstelle in Aqmescit grĂŒnden. Am 3. Dezember 1905 richtete er dort den Kongress aller Krimmuslime aus, an dem mehr als 700 Delegierte teilnahmen. Thematisiert wurde die Vakıf-Frage, die Reform des Geistlichen Rates und die RĂŒckgabe der Verwaltung aller Vakıf-LĂ€ndereien an die Krimtataren.cite-ref-32[32] Gasprinskij richtete 1906 noch weitere Kongresse auf der Krim aus. Daneben nahm er auch an dem Zweiten Muslimkongress der gesamtrusslĂ€ndischen Muslime im Januar 1906 in St. Petersburg teil. Auf dem Kongress wurde das Programm der Partei İttifak-ı MĂŒslĂźmĂźn (Muslimische Union) ausgearbeitet. Gasprinskij weigerte sich mit der Opposition zusammenzuarbeiten, weil er Interesse an der Zusammenarbeit mit der Regierung hatte.cite-ref-33[33] Da er auf dem Kongress von einem jungen sozialistischen Kasan-Tataren hart angegangen worden war, schrieb er nach der RĂŒckkehr eine Anzahl von Artikeln ĂŒber den Sozialismus. Darin vertrat er die Auffassung, dass diejenigen muslimischen Jugendlichen, die mit dem Sozialismus sympathisierten, von den PropagandabroschĂŒren der russischen sozialistischen Parteien in die Irre gefĂŒhrt und getĂ€uscht worden seien und dass die Konzepte von âGerechtigkeit und Gleichheitâ im Islam und im Sozialismus in Wirklichkeit nichts gemeinsam hĂ€tten.cite-ref-34[34]
Die Eröffnung der Staatsduma im April/Mai 1906 betrachtete Gasprinskij als einen gewaltigen Schritt fĂŒr die turksprachigen Muslime, weil sie, so meinte er, aus der âunterdrĂŒckten Nationâ eine Nation machte, die nun auf der gleichen Stufe wie die herrschende Nation stand. Zwar hielt er die Zahl der muslimischen Abgeordneten, die in die erste Duma gewĂ€hlt worden waren, fĂŒr viel zu niedrig, um die Muslime im Russischen Reich angemessen reprĂ€sentieren zu können, doch war er der russischen Nation fĂŒr das âPrinzipâ dankbar, dass sie den Muslimen ĂŒberhaupt eine ReprĂ€sentation gewĂ€hrte.cite-ref-35[35] Das unglĂŒckselige Scheitern der Ersten Staatsduma im Sommer 1906 enttĂ€uschte Gasprinskij. In seiner Zeitung machte er aber deutlich, dass er die Staatsduma weiter fĂŒr die zentrale Plattform politischer AktivitĂ€ten fĂŒr die die Muslime hielt.cite-ref-kirimli120-36-0[36] Da er den Sozialismus als eine ernsthafte Bedrohung fĂŒr die muslimische Einheit betrachtete, widmete er ab Juli 1906 15 Nummern von TercĂŒman der AufklĂ€rung ĂŒber diese Ideologie.cite-ref-kirimli123-37-0[37]
Auf dem Dritten Kongress der gesamtrusslĂ€ndischen Muslime, der vom 29. August bis 3. September 1906 stattfand und der gröĂte muslimische Kongress des Russischen Reiches war, wurde gegen Gasprinskijs Willen beschlossen, aus dem İttifak-ı MĂŒslĂźmĂźn (Muslimische Union) eine politische Partei zu bilden. Er hatte dagegen vorgeschlagen, dieses Thema fĂŒr zwei bis drei Monate zu vertagen und sich auf einem Sonderkongress zu treffen. Trotz seiner Ablehnung wĂ€hlten ihn die Delegierten zum Mitglied des Zentralkomitees der Muslimischen Union. Am Ende des Kongresses wurde er in einer Rede als «Vater der Nation» gerĂŒhmt.cite-ref-38[38] Gasprinskij setzte sich nach dem Kongress fĂŒr die Bildung von muslimischen âProgressivistengesellschaftenâ (terakkiyĂ»n cemiyetleri) ein, die in jeder muslimischen Region als Unterabteilungen des Muslimischen Kongresses agieren sollten.cite-ref-kirimli120-36-1[36]
Als Anfang 1907 die Muslime 38 Sitze in der Zweiten Duma gewannen, bereitete Gasprinskij die EntwĂŒrfe von fĂŒnf neuen Gesetzen vor, die er als die dringendsten BedĂŒrfnisse der Muslime im Russischen Reich ansah, und legte sie der muslimischen Fraktion vor.cite-ref-kirimli120-36-2[36] Er trat jetzt immer strikter fĂŒr den Ausschluss von Sozialisten aus der Muslimischen Union ein. Die radikalen jungen turkstĂ€mmigen Intellektuellen betrachteten ihn deswegen als Oktobristen.cite-ref-39[39]
Der Plan des islamischen Weltkongresses
GewissermaĂen als Fortsetzung seiner KongressaktivitĂ€ten entwickelte Ismail Gasprinskij nun den Plan, einen islamischen Weltkongress abzuhalten, auf dem Muslime aus aller Welt zusammenkommen sollten, um ĂŒber Wege zur kulturellen Erneuerung des Islams nachzudenken. Zum ersten Mal berichtete er ĂŒber diesen Plan in einem Artikel, den er im September 1907 in TercĂŒman veröffentlichte.cite-ref-40[40] Da er sich als russischer StaatsbĂŒrger in Istanbul nicht frei bewegen und er hier frĂŒher schlechte Erfahrungen gemacht hatte, kam diese Stadt als Austragungsort nicht in Frage. Deshalb wollte er den Kongress in Kairo, âdem zweiten Zentrums des Islamsâ, abhalten.cite-ref-kramer37f-41-0[41] Abgesehen von diesen Ăberlegungen hielt er es fĂŒr wichtig, bei den groĂen KolonialmĂ€chten, insbesondere beim Britischen Empire, das damals den gröĂten Teil der islamischen Welt kontrollierte, keine Sorgen hinsichtlich des Panislamismus hervorzurufen. Wenn GroĂbritannien sich ĂŒber die Gefahrlosigkeit der Ziele des Unternehmens sicher wĂ€re, so war seine Ăberlegung, wĂŒrden auch die ĂŒbrigen europĂ€ischen MĂ€chte kein Problem damit haben.cite-ref-42[42]
Der jĂŒdisch-ungarische Orientalist Hermann VĂĄmbĂ©ry, der zu den regelmĂ€Ăigen Lesern von Gasprinskijs TercĂŒman gehörte, ĂŒbersetzte Exzerpte aus Gasprinskijs Artikel ins Englische und veröffentlichte sie im Oktober in The Times. Auf diese Weise verbreiteten sich Informationen ĂŒber den geplanten Kongress schon frĂŒh in den westlichen Medien und drangen auch nach Kairo.cite-ref-kramer37f-41-1[41] Entsprechend hoch waren die Erwartungen, als Gasprinskij Ende Oktober in der Stadt eintraf. Am Abend des 1. November 1907 kamen 300 politische, religiöse und kulturelle Persönlichkeiten in das Continental Hotel, um einem Vortrag von ihm zu lauschen. Da aber Gasprinskij kaum Arabisch sprach, musste er ihn auf TĂŒrkisch halten, was die Wirkung des Vortrags etwas schmĂ€lerte. TĂŒrkische, arabische und französische Versionen wurden wenig spĂ€ter in verschiedenen Zeitschriften abgedruckt.cite-ref-43[43] In seinem Vortrag betonte Gasprinskij, dass der hauptsĂ€chlich kulturelle Charakter des Kongresses nichts mit politischem Panislamismus zu tun habe.cite-ref-kirimli139-44-0[44]
Nach dieser Konferenz besuchte Gasprinskij auch die BevollmĂ€chtigten GroĂbritanniens und Russlands sowie den Khediven, um sie vom unpolitischen Charakter des geplanten Kongresses zu ĂŒberzeugen.cite-ref-kirimli139-44-1[44] ÊżAlÄ« YĆ«suf (ges. 1913), der Herausgeber der arabischen Tageszeitung al-Mu'aiyad, der dem Palast des Khediven nahestand, organisierte ein Treffen, um ein Vorbereitungskomitee einzusetzen. Dieses Treffen fand im Haus von Scheich Muhammad TaufÄ«q al-BakrÄ« (gest. 1932), dem AnfĂŒhrer der Ă€gyptischen Sufi-Bruderschaften, statt.cite-ref-45[45] Dem Vorbereitungskomitee traten auch RafÄ«q Bey al-ÊżAzm und dessen Cousin HaqqÄ« Bey al-ÊżAzm bei. Letzterer wurde zum SekretĂ€r der Gruppe.cite-ref-46[46] Um seine Ideen besser auf Arabisch vermitteln zu können, engagierte Gasprinskij einen Kasan-Tataren namens Abdullah Battal-Taymas, der in Kairo Religionswissenschaften studierte und gut Arabisch sprach.cite-ref-kramer36-3-1[3] Er ĂŒbersetzte auch seine Schriften ins Arabische.cite-ref-47[47]
Zwischen Oktober 1907 und Februar 1908 reiste Gasprinskij drei Mal zwischen der Krim und Kairo hin und her, wobei er Istanbul passierte. Zweimal versuchte er, osmanische WĂŒrdentrĂ€ger zu kontaktieren und das Wohlwollen des Sultans zu gewinnen. Obwohl er vom GroĂwesir Avlonyalı Mehmet Ferit Pascha empfangen und freundlich behandelt wurde, war die offizielle Haltung der Osmanen gegenĂŒber dem Projekt GleichgĂŒltigkeit.cite-ref-kirimli139-44-2[44] ÊżAlÄ« YĆ«suf und al-BakrÄ« ĂŒbernahmen jetzt mehr oder weniger die Kontrolle ĂŒber die Planungen und setzten den ersten Kongress fĂŒr November 1908 an. Dadurch verloren aber andere wichtige Reformdenker wie Raschid Rida, die ÊżAlÄ« YĆ«suf und al-BakrÄ« kritisch gegenĂŒberstanden, das Interesse an der Initiative.cite-ref-48[48] Da die Gruppe auĂerdem mit dem jungtĂŒrkischen Komitee fĂŒr Einheit und Fortschritt und Abdullah Cevdet in Verbindung stand, fĂŒrchtete Gasprinskij, mit den osmanischen AutoritĂ€ten in Konflikt zu geraten.cite-ref-49[49] Um die NeutralitĂ€t des Unternehmens wiederherzustellen, grĂŒndete er eine eigene arabischsprachige Zeitung namens an-Naháža. Gasprinskij kĂŒndigte an, 16 Nummern dieser Zeitung in Kairo herauszugeben, dann nach Teheran zu reisen, um dort weitere 16 Nummern auf Persisch zu veröffentlichen und schlieĂlich in Delhi oder Lucknow 16 weitere Nummern auf Urdu zu publizieren.cite-ref-50[50] In dieser Zeitschrift informierte er sein arabisches Publikum auch ĂŒber die Muslime im Russischen Reich und ihre Leistungen, allerdings ging die Zeitschrift schon nach drei Nummern wieder ein.cite-ref-kirimli140-51-0[51]
Das indische Schulexperiment
Nach der JungtĂŒrkischen Revolution vom Juli 1908, die die Osmanische Verfassung wieder in Kraft setzte, gab es Hoffnungen auf die Wiederbelebung des Kongressplans. Die JungtĂŒrken schlugen vor, den Kongress in Istanbul einzuberufen, was Gasprinskij aber nicht wollte. Im Laufe der Zeit verlor er selbst das Interesse an dem Kongressplan. UngefĂ€hr um das Jahr 1911 lieĂ er das Projekt fallen.cite-ref-kirimli140-51-1[51] Auch in seiner Zeitung TercĂŒman widmete er dem Plan keine Aufmerksamkeit mehr.cite-ref-52[52] DafĂŒr fasste er 1912 PlĂ€ne, seine neue Unterrichtsmethode auch in Indien, dem Land mit der gröĂten muslimischen Bevölkerung weltweit, einzufĂŒhren. Zu diesem Zweck reiste er im Februar 1912 nach Bombay. Dort besuchte er lokale muslimische Schulen, die er in einem schlechten Zustand vorfand. Besonders entrĂŒstet war er darĂŒber, dass dort nicht die arabische Schrift, sondern die Gujarati-Schrift verwendet wurde, weil er darin ein Hindernis bei der Standardisierung der islamischen Kultur sah. Noch im selben Jahr eröffnete er mit seinem alten Slogan âAlphabetisierung in 40 Tagenâ feierlich eine Grundschule der Neuen Methode fĂŒr den Urdu-Unterricht. DafĂŒr stellte er drei muslimische Lehrer, um sie durch praktische Erfahrung auszubilden, bevor sie die Neue Methode in anderen Teilen Indiens einfĂŒhren sollten. Um die lokale Bevölkerung zum Besuch der Schule zu ermuntern, ĂŒbernahm er fĂŒr zwei Monate die gesamten Kosten der Schule und unterstĂŒtzte bedĂŒrftige SchĂŒler finanziell. Allerdings scheint das Experiment nur sehr kurzlebig gewesen zu sein, denn Gasprinskij kehrte schon bald von Bombay nach Istanbul zurĂŒck, ohne die weiteren Ergebnisse seiner Methode in Indien abzuwarten.cite-ref-53[53]
Teilnahme am osmanisch-tĂŒrkischen Geistesleben
In der Zeit nach 1908 wurde Gasprinskij mehr und mehr in das osmanisch-tĂŒrkischen Geistesleben hineingezogen, vor allem in die aufstrebenden turkistischen Kreise. So war eines der ersten Mitglieder des TĂŒrk DerneÄi, einer im Dezember 1908 gegrĂŒndeten Gelehrtengesellschaft, die sich mit der Erforschung der Geschichte, Sprachwissenschaft und Ethnographie der TĂŒrkei und der Turkvölker befasste. Er schrieb auch gelegentlich BeitrĂ€ge fĂŒr TĂŒrk Yurdu, eine Zeitschrift, die ab 1911 von Yusuf Akçura herausgegeben wurde und Angelegenheiten gewidmet war, die alle Turkvölker betrafen. Hier meldete er sich auch 1914 in der erhitzten Debatte zwischen Turkisten und Osmanisten zu Wort und verteidigte in einem Beitrag den Turkismus gegen die Kritik des fĂŒhrenden Osmanisten Ali Kemal. 1912 boten ihm die JungtĂŒrken sogar einen Sitz im Osmanischen Senat an, den er aber mit Verweis auf zeitraubende TĂ€tigkeit als Herausgeber von TercĂŒman ablehnte.cite-ref-54[54] Am vierten Kongresses der gesamtrusslĂ€ndischen Muslime in Sankt Petersburg im Juni 1914 nahm Gasprinskij nicht mehr teil, weil er zu dieser Zeit in Istanbul weilte.cite-ref-kirimli147-55-0[55]
Tod und Nachkommen
Gasprinskij starb nach lĂ€ngerer Krankheit am 24. September 1914 in Bachtschyssaraj und wurde in der Zindschirli-Medrese in der NĂ€he von Mengli Giray Khan bestattet.cite-ref-abdirashidov-9-1[9] Sein BegrĂ€bnis wurde zu einer auĂergewöhnlichen öffentlichen Zeremonie, an der mehr als 6.000 Menschen aus dem ganzen russischen Reich teilnahmen. In praktisch jeder tĂŒrkischen Zeitschrift in Russland und vielen anderen LĂ€ndern waren in den folgenden Monaten Traueranzeigen und unzĂ€hlige Nachrufe und Lobreden auf ihn zu lesen, und in den muslimischen Zentren des Russischen Reiches und in Istanbul wurden religiöse Zeremonien fĂŒr ihn abgehalten. Selbst im fernen Turkestan trugen die örtlichen AnhĂ€nger des Dschadidismus und die Studenten nach Gasprinskijs Tod einen Monat lang Trauerabzeichen auf der Brust.cite-ref-56[56]
Ismail Bej Gasprinskij ging wĂ€hrend seines Lebens drei Ehen ein. Seine erste Ehe schloss er mit Samura Hanim 1876; sie wurde schon nach zwei Jahren geschieden. Sie hatten eine gemeinsame Tochter, Hatidsche Gasprinskaja. Seine zweite Ehe schloss er 1882 mit Zahire Chanim, der Tochter des Isfendijar Aktschurin,cite-ref-abdirashidov-9-2[9] Mit ihr hatte er zwei Töchter Schefika Gaspirinskaja, Nigjar Gaspirinskaja und drei Söhne Refat Gasprinskij, Dschawad-Mansur Gasprinskij und Hajdar-Ali Gasprinskij.cite-ref-allworth130-2-4[2] Aufgrund seines VermĂ€chtnisses wurde sein Ă€ltester Sohn Refat EigentĂŒmer von TercĂŒman und Hasan Sabri Ayvazov, der ein Jahr zuvor in die Redaktion eingetreten war, Chefredakteur der Zeitung.cite-ref-57[57]
Publikationen
Die Zeitung Perewodtschik/TercĂŒman
Die ab 1882 herausgegebene Zeitung erschien bis 1917 und war damit die am lĂ€ngsten erscheinende tĂŒrkischsprachige Zeitung Russlands.cite-ref-lazzerini161166-11-3[11] Gasprinskij schrieb die Texte auf Russisch und ĂŒbersetzte sie in eine Turksprache, die er selbst erschaffen hatte. Die gemeinsame Sprache, die jeder TĂŒrkischstĂ€mmige verstehen sollte, war eine Mischung aus dem Krimtatarischen und dem Istanbuler Dialekt. DafĂŒr bereinigte er das Osmanische von Lehnwörtern, besonders von arabischen und persischen.cite-ref-58[58]
Die Zeitung sollte als Vermittler zwischen der russischen und den muslimischen Kulturen dienen. Die Muslime sollten mit objektiven Informationen zum Weltgeschehen beliefert werden, die Russen ĂŒber muslimische Lebensweisen, BedĂŒrfnisse und Ansichten informiert werden. Gasprinskij wollte damit die Grenzen zwischen den Kulturen aufweichen und den Austausch fördern. Von Beginn der Herausgabe im Jahre 1882 bis Ende 1905 behielt die Zeitung ihr Format von vier Seiten. Der russischsprachige Anteil schrumpfte allerdings immer mehr zusammen.cite-ref-lazzerini1992-170-59-0[59] Der tĂŒrkischsprachige Teil wurde umgekehrt allmĂ€hlich erweitert und TercĂŒman 1890 zur ânationalen Zeitung fĂŒr Politik, Bildung und Literaturâ erklĂ€rt. 1905 wurde der Name der Zeitung in TercĂŒman-i Ahval-i Zaman (âDer Dolmetscher der zeitgenössischen Nachrichtenâ) abgeĂ€ndert, und ĂŒber der Zeitung stand der Slogan Dilde, Fikirde, İĆte Birlik (âEinheit in Sprache, Idee und im Handelnâ).cite-ref-togan980a-15-2[15] Im Dezember desselben Jahres erhielt Gasprinskij die offizielle Erlaubnis, den russischen Teil, der offensichtlichen zu den Auflagen der ursprĂŒnglichen Presselizenz gehörte, ganz aufzugeben.cite-ref-60[60] Die Zeitung wurde nun zum wichtigsten Kommunikationsorgan der muslimischen Gemeinschaft im Russischen Reich. Auch die in den Regionen Kasan, dem Kaukasus, Turkestan und Sibirien lebenden TĂŒrken erkannten sie als Mittel zur Verbreitung ihrer nationalen Ideen an.cite-ref-togan980a-15-3[15]
Der Perewodtschik/TercĂŒman erschien zunĂ€chst wöchentlich, ab 1904 zweimal wöchentlich, ab 1906 dreimal wöchentlich und schlieĂlich von 1912 bis zu seiner Einstellung 1918 als Tageszeitung. Die Grundstruktur der Zeitung war einheitlich: âein Leitartikel oder Artikel von Gasprinskij, russische Inlandsnachrichten, Nachrichten aus dem Ausland, ein Feuilleton (manchmal literarisch-didaktisch, manchmal einfach informativ), amtliche Bekanntmachungen (insbesondere solche, die die Muslime betrafen), AuszĂŒge aus der russischen (und spĂ€ter der muslimischen) Presse, Buchnachrichten und Anzeigen.âcite-ref-lazzerini1992-170-59-1[59] Neben TercĂŒman publizierte Gasprinskij zeitweise noch verschiedene andere Zeitschriften.cite-ref-61[61]
Weitere Schriften
âą Russkoje Musulâmanstvo. Mysli, zametki i nabliudeniia musulâmanina (âRussisches Muslimentum: Gedanken, Anmerkungen und Beobachtungen eines Muslimsâ; 1882). In dieser Artikelsammlung formulierte er in vorsichtigem Ton seine grundsĂ€tzlichen Ansichten zum Stand der Beziehungen zwischen dem russischen Staat und seinen muslimischen Untertanen.cite-ref-kirimli34-13-1[13] Das Buch richtete sich an ein russisches Publikum.cite-ref-62[62] Michael Kemper hat die Artikelsammlung ins Deutsche ĂŒbersetzt.cite-ref-63[63]
âą Avrupa medenÄ«yetine bir naáșar-i muvÄzene (âEine ausgewogene Bewertung der europĂ€ischen Zivilisationâ; Istanbul 1885). In diesem vertrat Gasprinskij die Meinung, Europa sei frĂŒher oder spĂ€ter dazu bestimmt, mit der âKatastrophe des Sozialismusâ konfrontiert zu werden, der die gröĂten Revolutionen auslösen werde, âdie den DreiĂigjĂ€hrigen Krieg und die GroĂe Französische Revolution in den Schatten stellen wĂŒrdenâ.cite-ref-kirimli44-64-0[64]
âą MedenÄ«yet-i islÄmÄ«ye (âIslamische Zivilisationâ)
âą DÄr ar-rÄáž„at MĂŒslĂŒmÄnları (âMuslime der friedlichen WohnstĂ€tteâ, Roman)
âą Russisch-Orientalische Beziehungen
âą French and African letters; Istanbul, Isis Press, 2008.
Denken als Reformer
Die Bestrebungen von Gasprinskij lassen sich nach Alan W. Fisher in vier Kategorien einteilen: 1. die Frage der islamischen Erneuerung und der Beziehungen zwischen der islamischen und den verschiedenen westlichen Welten; 2. die Sprache und ihre Rolle bei der islamischen Erneuerung; 3. Frauenrechte und Emanzipation der Frau als essentieller Bestandteil der Erneuerung; und 4. und als Voraussetzung fĂŒr die drei ersten Punkte Bildungsreform.cite-ref-65[65] Gasprinskij wollte den Fortschritt auf diesen vier Feldern nicht gegen die Russische Regierung, sondern mit ihrer Hilfe zustande bringen. Die westliche Wissenschaft und Hilfsmittel sollten das Potential der Muslime entfachen.cite-ref-66[66]
Sein Leben lang drĂ€ngte Gasprinskij die Muslime beharrlich dazu, sich an industriellen, kommerziellen und finanziellen Unternehmungen zu beteiligen. Zu diesem Zweck unterstĂŒtzte er nachdrĂŒcklich die Idee einer breit angelegten Berufsausbildung und einer Ausbildung im Ausland, nach dem Vorbild Deutschlands.cite-ref-kirimli45-67-0[67] Seiner Meinung nach durften Vernunft und Religion nicht getrennt werden. Die Religion sollte nicht die einzige Erfahrung des Muslims sein, sondern durch andere Bereiche erweitert werden.cite-ref-68[68] Allerdings sah Gasprinskij beim Islam auch keinen Widerspruch zwischen Glauben und Vernunft. FĂŒr ihn war das wesentliche Gebot des Korans die Gerechtigkeit.cite-ref-kirimli44-64-1[64]
Russland und die Muslime
In seiner Artikelsammlung Russkoje Musulâmanstvo wies darin Gasprinskij darauf hin, dass die Turko-Tatarischen Völker die zweitgröĂte NationalitĂ€t im Russischen Zarenreich waren, und beschrieb die russlĂ€ndischen Muslime als loyal, aber rĂŒckstĂ€ndig. In einer anderen Publikation brachte er den Gedanken vor, dass die russischen Muslime eine wichtige Rolle bei der Verbesserung der Beziehung zwischen Russland und den Muslimen weltweit spielen könnten.cite-ref-69[69] Allerdings bemĂ€ngelte er die VerstĂ€ndnislosigkeit und den Abstand zwischen den Muslimen und Russen. An die Stelle der Russifizierungspolitik, die er kritisierte, sollte seiner Meinung nach eine Erneuerung des russischen Islams treten mit weltlicher Bildung fĂŒr die Muslime und Vermittlung der russischen Wissenschaft, Kultur und Sprache. Ebenso forderte er eine Möglichkeit der Veröffentlichung auf Turksprachen.cite-ref-70[70] Diese Ziele waren seiner Meinung nach nur in Zusammenarbeit mit der russischen Regierung erreichbar. Er glaubte, dass frĂŒher oder spĂ€ter Russen und Tataren die gleichen Rechte genieĂen wĂŒrden und die russische Regierung schlieĂlich selbst zur Besinnung kommen und ihre oft feindselige Politik gegenĂŒber Muslimen und anderen Minderheiten aufgeben wĂŒrde.cite-ref-71[71]
Die Schaffung eines Verfassungssystems in Russland war fĂŒr Gasprinskij von groĂer Bedeutung, denn er war der Ansicht, dass die Interessen der muslimischen TĂŒrken âsehr eng mit den Interessen eines Verfassungsstaates verknĂŒpftâ seien.cite-ref-72[72] Gasprinskij bemĂŒhte sich intensiv um die EinfĂŒhrung eines territorial gebundenen Nationskonzepts und lehnte jegliche Idee von Auswanderung kategorisch ab. Auch betonte er die Bedeutung von Boden und Landwirtschaft.cite-ref-73[73] Die Auswanderung von turkstĂ€mmigen Muslimen verurteilte er dagegen als eine Seuche, die die tĂŒrkischen HeimatlĂ€nder in Russland auslauge. In einem Artikel, den er 1912 in der Zeitschrift TĂŒrk Yurdu veröffentlichte, Ă€uĂerte er, dass er solche Auswanderung am liebsten verbieten wĂŒrde, weil jeder TĂŒrke, der auswandere, zehn andere dazu verfĂŒhre, dasselbe zu tun.cite-ref-kirimli118-31-1[31]
Allerdings strebte Gasprinskij nie eine tĂŒrkische Einheit auf politischer Basis an. In seinen letzten Lebensjahren formuliert er seine Position zu dieser Frage wie folgt: âEs gibt gewisse Ideen, die uns verboten sind. Ăberlassen wir sie der Nachwelt. Verwirklichen wir [zuerst] die geistige Einheit. Vereinen wir die Sprachen. Andere sollen ĂŒber politische Einheit nachdenken.âcite-ref-74[74]
Schaffung einer gemeinsamen tĂŒrkischen Sprache
Ein wichtiger Punkt fĂŒr die Umsetzung von Gasprinskijs Ideen war die Sprache. Er war davon ĂŒberzeugt, dass die turkstĂ€mmigen Muslime eine gemeinsame Literatursprache benötigten. Diese gemeinsame Sprache sollte die Turkvölker in Russland, im Osmanischen Reich und in anderen Regionen miteinander verbinden und die Aufspaltung in verschiedene Einzelgruppen (Tataren, Karapapaken, Kasachen usw.) ĂŒberwinden.cite-ref-75[75] Die gemeinsame Sprache sollte genauso als eine gute Basis fĂŒr die Kommunikation und Zusammenarbeit in Hinblick auf die von ihm angestrebte Erneuerung dienen. FĂŒr ihn war eine gemeinsame Nationalsprache die Quelle fĂŒr den Fortschritt von Bildung, Literatur und Religion.cite-ref-76[76] Die vereinigte Literatursprache sollte aber auch der ganzen Welt zeigen, dass die turksprachigen Völker eine einzige Nation waren.cite-ref-kirimli126-77-0[77]
Gasprinskij betrachtete bei diesem Projekt Nikolai Iwanowitsch Ilminski und seine AnhĂ€nger als Gegner, mit dem Argument, dass diese nicht zulieĂen, dass die Kinder von Tataren und Baschkiren, Kirgisen und Usbeken die gleichen Schulen besuchten und damit die Uneinigkeit unter den turkstĂ€mmigen Völkern beförderten.cite-ref-78[78] Auch wandte er sich gegen die Versuche, das Kyrillische Alphabet als Mittel zur Schreibung von Turksprachen einzufĂŒhren. Als 1907 das Russische Bildungsministerium vorschrieb, dass in den muslimischen Grundschulen jeweils der lokale Dialekt als Muttersprache gelten und dementsprechend als Unterrichtssprache verwendet werden sollte, und somit das Projekt der gemeinsamen tĂŒrkischen Literatursprache hintertrieb, gehörte Gasprinskij naturgemÀà zu den schĂ€rfsten Gegnern dieser Regelung. Er ging in seinem Wunsch nach Schaffung einer gemeinsamen tĂŒrkischen Sprache so weit, dass er die Existenz einer tatarischen Sprache leugnete.cite-ref-79[79]
Die gemeinsame tĂŒrkische Sprache sollte nach Gasprinskij einfach sein so wie die Sprache, die in TercĂŒmen verwendet wurde,cite-ref-80[80] und sollte auf der gesprochenen Sprache basieren.cite-ref-81[81] Fremde SpracheinflĂŒsse sollten nach Möglichkeit aus dem TĂŒrkischen verbannt werden, unverstĂ€ndliche arabische und persische Redewendungen sollten vermieden werden und ungebrĂ€uchliche LokalausdrĂŒcke dem Osmanischen angepasst werden.cite-ref-82[82] Allerdings lehnte er es kategorisch ab, die von ihm vorgeschlagene Literatursprache als âOsmanisch-TĂŒrkischâ zu bezeichnen, da diese als kĂŒnstlich galt und negativ konnotiert war. Arabische und persische Begriffe lieĂ er nur dann zu, wenn mit ihnen russische Begriffe vermieden werden konnten.cite-ref-83[83]
Der Stil, den Gasprinskij selbst in seinen Publikationen pflegte, unterschied sich von der Sprache der Literaten Istanbuls vor allem durch seine Einfachheit, KĂŒrze und Deutlichkeit.cite-ref-84[84] Mit diesem Stil war er sehr einflussreich. Auch die fĂŒhrenden literarisch-politischen Figuren wie Rizaeddin bin Fachreddin, AbdĂŒrreĆid İbrahim, Yusuf Akçura, Ahmet AÄaoÄlu und HĂŒseyinzade Ali schrieben in TercĂŒmen-TĂŒrkisch oder einer sehr Ă€hnlichen Sprache.cite-ref-85[85] Am Ende seines Lebens, im Jahr 1914, fĂŒhrte Gasprinskij einige orthografische Ănderungen am arabischen Alphabet ein, das in TercĂŒmen verwendet wurde, um das Lesen des TĂŒrkischen in arabischer Schrift zu erleichtern.cite-ref-86[86]
Rechte und Emanzipation der Frau
Die Rechte und die Emanzipation der Frauen sah Gasprinskij als zusĂ€tzliches Element, um einen Erneuerungsprozess in Gang zu setzen, da Frauen die HĂ€lfte der Bevölkerung ausmachen. Die zusĂ€tzliche Kraft sollte zur nationalen Entwicklung beitragen. Die Arbeit der Frauen war notwendig, um auf das Niveau des Westens zu kommen. Bildung war fĂŒr ihn die erste Voraussetzung, um ein und aufgeklĂ€rtes nationales Lebens zu gewĂ€hrleisten und die Lebensbedingungen der Frauen zu verbessern. Gasprinskij betonte die Gleichstellung der Frauen und MĂ€nnern in Fragen der Ehe, Scheidung und Erbschaft und verwies dabei auf den Koran.cite-ref-87[87]
Zusammen mit seiner Frau Zahire Hanim und Mustafa DavidoviÄ eröffnete Gasprinskij am 25. Jahrestag der Entstehung von TercĂŒman ein Kunsthandwerkschule fĂŒr MĂ€dchen, eine Idee, die sich auch in anderen Provinzen verbreitete. Auch grĂŒndete er mit seiner Tochter Ćefika die erste turksprachige Frauenzeitschrift mit dem Titel ÊżÄlem-i niswÄn. ZunĂ€chst steuerte er einige Artikel bei, ĂŒberlieĂ aber bald das gesamte Unternehmen seiner Tochter und ihrem Mann Nasib Yusuf Bey Vezirof.cite-ref-88[88] AuĂerdem veröffentlichte Gasprinskij ein Werk ĂŒber Frauenrechte, betitelt Kadınlar ĂŒlkesi.cite-ref-togan980b-28-1[28]
Literatur
âą Edward A. Allworth (Hrsg.): The Tatars of Crimea: Return to the Homeland. Duke University Press, Durham; London 1988, ISBN 978-0-8223-9869-1.
âą Alan W. Fisher: âA Model Leader for Asia, Ismail Gaspirali.â in Edward A. Allworth (Hrsg.): The Tatars of Crimea: Return to the Homeland. Durham, London: Duke University Press, 1988. S. 29â47.
âą Martin Hartmann: âDer Islam 1907â in Mittheilungen des Seminars fĂŒr Orientalische Sprachen an der Königlichen Friedrich Wilhelms-UniversitĂ€t zu Berlin 11/2 (1907) 207â233, hier S. 213. Digitalisat
âą Hakan Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). Brill, Leiden 1996, ISBN 90-04-10509-3. S. 32â55, 116â150.
âą Hakan Kırımlı: âGaspıralı, İsmĂąil Beyâ in: TĂŒrkiye Diyanet Vakfı İslĂąm Ansiklopedisi 1996. Bd. XIII, S. 392â95. Digitalisat
âą Martin Kramer: Islam Assembled. The Advent of the Muslim Congresses. Columbia University Press, New York 1986. S. 36â55.
âą Thomas Kuttner: "Russian JadÄ«dism and the Islamic world: Ismail Gasprinskii in Cairo, 1908. A call to the Arabs for the rejuvenation of the Islamic world". in Cahiers du Monde Russe et SoviĂ©tique 16/3 (1975) 383â424.
âą Edward J. Lazzerini: Ismail Bey Gasprinskii and Muslim modernism in Russia: 1878-1914. Dissertation, University of Washington 1973.
âą Edward J. Lazzerini: âÇŠadidism at the turn of the twentieth century: a view from withinâ in: Cahiers du monde russe et soviĂ©tique 16/2 (1975) 245-277. Digitalisat
âą Edward J. Lazzerini: âİsmail Bey Gasprinskii (Gaspıralı): the Discourse of Modernism and the Russiansâ. in Edward A. Allworth (Hrsg.): The Tatars of Crimea: Return to the Homeland. Durham, London: Duke University Press, 1988. S. 149â169.
âą Edward J. Lazzerini: âIsmail Bey Gasprinskii's Perevodchik/TercĂŒman: a Clarion of Modernismâ. in Hasan Paksoy (Hrsg.): Central Asian Monuments. Isis Press, Istanbul 1992. S. 159â172.
âą Gerhard von Mende: Der nationale Kampf der RusslandtĂŒrken: ein Beitrag zur nationalen Frage in der Sovetunion. Weidmann, Berlin 1936. S. 44â61. Digitalisat
âą Christian Noack: Muslimischer Nationalismus im Russischen Reich. Nationalbildung und Nationalbewegung bei Tataren und Baschkiren, 1861-1917. Franz Steiner, Stuttgart 2000. S. 144â150.
âą Zeki Velidi Togan: âGaspralı (Gasprinski), IsmÄÊżÄ«lâ in The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Leiden 1959. Bd. II, S. 979â981.
Einzelnachweise
cite-note-11. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 32.
cite-note-allworth130-22. â Nachruf auf Ismail Bey Gasprinskij veröffentlicht in Shura 1. November 1914. Ăbersetzt von Alan W. Fisher. In: Allworth: The Tatars of Crimea: Return to the Homeland. 1998, S. 130.
cite-note-kramer36-33. â Kramer: Islam Assembled. The Advent of the Muslim Congresses. 1986, S. 36.
cite-note-togan979b-44. â Togan: âGaspralı (Gasprinski), IsmÄÊżÄ«lâ. 1959, S. 979b.
cite-note-55. â Kırımlı: Gaspıralı, İsmĂąil Bey. 1996, S. 392a.
cite-note-66. â Nachruf auf Ismail Bey Gasprinski veröffentlicht in Shura 1. November 1914. Ăbersetzt von Alan W. Fisher. In: Allworth: The Tatars of Crimea: Return to the Homeland. 1998, S. 131f.
cite-note-77. â Kramer: Islam Assembled. The Advent of the Muslim Congresses. 1986, S. 37.
cite-note-kirimli33-88. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 33.
cite-note-abdirashidov-99. â Abdirashidov, Zaynabidin. Gasprinski, İsmail. In: Encyclopaedia of Islam, THREE. (hrsg.) Kate Fleet, Gudrun KrĂ€mer, Denis Matringe, John Nawas, Devin J. Stewart. Veröffentlicht 2015.
cite-note-1010. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 33f.
cite-note-lazzerini161166-1111. â Lazzerini: Ismail Bey Gasprinskiiâs Perevodchik/TercĂŒman: A Clarion of Modernism. 1992, S. 161â166.
cite-note-1212. â Togan: âGaspralı (Gasprinski), IsmÄÊżÄ«lâ. 1959, S. 979bâ980a.
cite-note-kirimli34-1313. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 34.
cite-note-1414. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 35f.
cite-note-togan980a-1515. â Togan: âGaspralı (Gasprinski), IsmÄÊżÄ«lâ. 1959, S. 980a.
cite-note-1616. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 53.
cite-note-1717. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 45f.
cite-note-1818. â Fisher: âA Model Leader for Asia, Ismail Gaspirali.â 1998, S. 40.
cite-note-1919. â Noack: Muslimischer Nationalismus im Russischen Reich. 2000, S. 147.
cite-note-kirimli47-2020. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 47.
cite-note-lazzerini1975-255-2121. â Lazzerini: âÇŠadidism at the turn of the twentieth century: a view from withinâ. 1975, S. 255.
cite-note-2222. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 48.
cite-note-2323. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 50.
cite-note-kirimli49-2424. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 49.
cite-note-noack-148-2525. â Noack: Muslimischer Nationalismus im Russischen Reich. 2000, S. 148.
cite-note-2626. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 51.
cite-note-2727. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 133.
cite-note-togan980b-2828. â Togan: âGaspralı (Gasprinski), IsmÄÊżÄ«lâ. 1959, S. 980b.
cite-note-2929. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 62f.
cite-note-3030. â Noack: Muslimischer Nationalismus im Russischen Reich. Nationalbildung und Nationalbewegung bei Tataren und Baschkiren, 1861-1917. 2000, S. 230.
cite-note-kirimli118-3131. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 118.
cite-note-3232. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 65.
cite-note-3333. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 66â67.
cite-note-3434. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 122.
cite-note-3535. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 119.
cite-note-kirimli120-3636. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 120.
cite-note-kirimli123-3737. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 123.
cite-note-3838. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 70â71.
cite-note-3939. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 123f.
cite-note-4040. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 136.
cite-note-kramer37f-4141. â Kramer: Islam Assembled. The Advent of the Muslim Congresses. 1986, S. 37f.
cite-note-4242. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 138.
cite-note-4343. â Kramer: Islam Assembled. The Advent of the Muslim Congresses. 1986, S. 39. â FĂŒr den französischen Text siehe Revue du Monde Musulman 3/11-12 (1907) 498â500. Digitalisat
cite-note-kirimli139-4444. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 139.
cite-note-4545. â Kramer: Islam Assembled. The Advent of the Muslim Congresses. 1986, S. 40.
cite-note-4646. â Kramer: Islam Assembled. The Advent of the Muslim Congresses. 1986, S. 43.
cite-note-4747. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 139f.
cite-note-4848. â Kramer: Islam Assembled. The Advent of the Muslim Congresses. 1986, S. 41f.
cite-note-4949. â Kramer: Islam Assembled. The Advent of the Muslim Congresses. 1986, S. 43.
cite-note-5050. â Kramer: Islam Assembled. The Advent of the Muslim Congresses. 1986, S. 43f.
cite-note-kirimli140-5151. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 140.
cite-note-5252. â Kramer: Islam Assembled. The Advent of the Muslim Congresses. 1986, S. 44f.
cite-note-5353. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 141.
cite-note-5454. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 145f.
cite-note-kirimli147-5555. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 147.
cite-note-5656. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 147f.
cite-note-5757. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 148.
cite-note-5858. â Jacob M. Landau. Pan-Turkism. From Irrendentism to Cooperation. London: Hurst & Company, 1995, S. 9f.
cite-note-lazzerini1992-170-5959. â Lazzerini: Ismail Bey Gasprinskiiâs Perevodchik/TercĂŒman: A Clarion of Modernism. 1992, S. 170.
cite-note-6060. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 128f.
cite-note-6161. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 129â131.
cite-note-6262. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 38.
cite-note-6363. â Michael Kemper: âIsmail Gasprinskijâs âRussisches Muslimentumâ (1881)â in Frankfurter Zeitschrift fĂŒr islamisch-theologische Studien 4 (2018) 125â170. Digitalisat
cite-note-kirimli44-6464. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 44.
cite-note-6565. â Fisher: âA Model Leader for Asia, Ismail Gaspirali.â 1998, S. 33.
cite-note-6666. â Noack: Muslimischer Nationalismus im Russischen Reich. Nationalbildung und Nationalbewegung bei Tataren und Baschkiren, 1861-1917. 2000, S. 152â154.
cite-note-kirimli45-6767. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 45.
cite-note-6868. â Lazzerini: âIsmail Bey Gasprinskiiâs Perevodchik/TercĂŒman: A Clarion of Modernism.â 2011, S. 161â166.
cite-note-6969. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 39.
cite-note-7070. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 34â39.
cite-note-7171. â Fisher: âA Model Leader for Asia, Ismail Gaspirali.â 1998, S. 35.
cite-note-7272. â Lazzerini: Ismail Bey Gasprinskii and Muslim modernism in Russia: 1878-1914. 1973, S. 104.
cite-note-7373. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 44f.
cite-note-7474. â Zitiert in Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 40.
cite-note-7575. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 125f.
cite-note-7676. â Fisher: âA Model Leader for Asia, Ismail Gaspirali.â 1998, S. 37â39.
cite-note-kirimli126-7777. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 126.
cite-note-7878. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 41.
cite-note-7979. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 127.
cite-note-8080. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 40f.
cite-note-8181. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 42.
cite-note-8282. â Mende: Der nationale Kampf der RusslandtĂŒrken: ein Beitrag zur nationalen Frage in der Sovetunion. 1936, S. 49.
cite-note-8383. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 126f.
cite-note-8484. â Noack: Muslimischer Nationalismus im Russischen Reich. 2000, S. 201.
cite-note-8585. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 124.
cite-note-8686. â Kırımlı: National Movements and National Identity Among the Crimean Tatars (1905-1916). 1996, S. 128.
cite-note-8787. â Fisher: âA Model Leader for Asia, Ismail Gaspirali.â 1998, S. 39.
cite-note-8888. â Lazzerini: Ismail Bey Gasprinskii and Muslim modernism in Russia: 1878-1914. 1973, S. 76.
Weblinks
Commons
: Ismail Gasprinskij
â Sammlung von Bildern
âą Essays on life and activity of Ismail bey Gaspirali Presented by the International Committee for Crimea, Washington DC
⹠Ismail bey Gaspıralı